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St. Sebastianus-Schützenbruderschaft korrigiert historischen Fehler

Lank-Latum. Es war ein stiller Moment, aber einer von großer Bedeutung: Auf ihrer Jahreshauptversammlung hob die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Lank-Latum offiziell den Ausschluss ihres jüdischen Ehrenmitglieds Isaak Wyngaard auf – 90 Jahre nach dem Unrecht, das ihm im Jahr 1935 widerfuhr.

 

Damit schließt sich ein schmerzhaftes Kapitel der Bruderschaftsgeschichte, das erst durch die sorgfältigen Recherchen des Heimatkreises Lank-Latum wieder ans Licht kam.

 

Damals, kurz vor dem großen 400-jährigen Jubiläum der Bruderschaft, forderte der örtliche NSDAP-Kreisleiter den sofortigen Ausschluss Wyngaards – andernfalls dürfe das Fest nicht stattfinden. Der Vorstand beugte sich dem politischen Druck. Wyngaard, ein 90-jähriger Viehhändler aus einer angesehenen jüdischen Familie, der die Bruderschaft über Jahrzehnte unterstützt und gefördert hatte, wurde in einem Akt der Unterwerfung ausgeschlossen. Ein Zeichen von Angst – und eine tiefe Verletzung eines Mannes, der seiner Gemeinschaft stets verbunden war.

 

Heute, neun Jahrzehnte später, blickt die Bruderschaft mit klarer Haltung auf die Ereignisse zurück und es herrscht Einvernehmen: Dieses Unrecht darf nicht ungesühnt bleiben, auch wenn der Betroffene längst verstorben ist. Der Ausschluss wurde offiziell aufgehoben – ein symbolischer Akt, aber einer von großer moralischer Tragweite in der heutigen Zeit.

 

„Ein solcher Eingriff von außen in unsere Gemeinschaft ist mit unseren heutigen Werten unvereinbar“, hieß es in der Erklärung des 1. Brudermeisters Markus Reiners. „Politische Einflussnahme und Ausgrenzung haben in unserer Gemeinschaft keinen Platz. Wir stehen für Toleranz, Respekt und Menschlichkeit.“

 

Mit der posthumen Wiederaufnahme Wyngaards in die Reihen der Ehrenmitglieder setzt die Bruderschaft ein Zeichen – gegen das Vergessen, für Versöhnung und gegen Unrecht und Antisemitismus. Der Name Isaak Wyngaard steht nun wieder dort, wo er hingehört: mitten in der Geschichte der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lank-Latum.


 

„St. Sebastianus-Schützenbruderschaft zieht positive Bilanz“ Feierliche Jahreshauptversammlung mit emotionalem Abschied und neuen Ämtern.

Wenn die St. Sebastianus Schützenbruderschaft zur Jahreshauptversammlung ruft, dann stehen weder Terminkalender noch Wetterbericht im Weg. Pünktlich am 17. Januar 2026, um 16:15 Uhr, marschierten die Kompanien vor dem Haus ihres amtierenden Schützenkönigs Uwe Henze auf, um ihn in gebührender Form „abzuholen“. Marschmusik im Ohr, Hut gerade, Brust geschwellt – es ging im Gleichschritt zur Kirche und anschließend weiter Richtung Forum Wasserturm, dem Austragungsort der großen Versammlung.

 

Drinnen gab es dann weniger Trommeln, aber umso mehr Zahlen. Der Rückblick auf das Jubiläumsschützenjahr sorgte für zufriedene Gesichter – nicht zuletzt, weil sich die Bruderschaft finanziell hervorragend aufgestellt zeigte. Die Schatzmeister und der Vorstand wurden einstimmig entlastet – ein Applaus, der klang, als hätte jemand Freibier versprochen.

 

In Sachen Wahlen herrschte reger Betrieb: Matthias Janßen von der Preußischen Infanterie übernimmt künftig das Amt des 2. Geschäftsführers, während Uwe Henze – unser König in Doppelfunktion – zum neuen 1. Schatzmeister gewählt wurde. Frank Kuntze von der Marine Kompanie komplettiert das Team als 2. Schatzmeister.

 

Und dann kam der Moment, der alle vom Hocker riss: Nach 24 Jahren unermüdlicher Arbeit verabschiedete sich Ludwig Leuchten als Schatzmeister in den wohlverdienten Ruhestand. Die Standing Ovations hätten locker für ein ganzes Schützenfest gereicht – und die Krönung: Ludwig wurde einstimmig zum Ehrenmitglied der Bruderschaft ernannt. Seine Reaktion? Ein seltener Moment, in dem ihm glatt die Worte fehlten. Der „Herr der Taler“ verabschiedete sich von der aktiven Bühne.

 

Nach dem offiziellen Teil löste sich die Runde in bester Schützentradition auf – nämlich in die umliegenden Lanker Kneipen. Dort wurde nicht mehr gewählt, sondern angestoßen – auf ein starkes Jahr, ausgezeichnete Kameradschaft und das, was die Bruderschaft seit Jahrzehnten prägt: Herz, Humor und ein gutes Maß Schützenehre.

Ein etwas anderer Jahresrückblick

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lank-Latum hat 2025 bewiesen, dass 550 Jahre Tradition kein Grund sind, älter zu wirken – eher wie ein Verein in der Midlife-Crisis mit Silberpolitur. Und wie immer in Lank: Selbst wenn die Welt untergeht, findet vorher noch ein Festakt im Forum Wasserturm statt.

 

 

550 Jahre – wir und Michelangelo

 

1475 war ein erstaunliches Jahr: In Italien kommt Michelangelo auf die Welt, in Rom kümmert man sich um die Sixtinische Kapelle – und in Lank und Latum gründet man eine Schützenbruderschaft, weil draußen marodierende Truppen unterwegs sind und irgendwer ja mal aufpassen muss, dass nicht alles abgefackelt wird. Während Karl der Kühne also Neuss belagert, denken sich die Leute hier: „Gut, wenn wir schon geplündert werden könnten, dann wenigstens organisiert“ – und legen damit den Grundstein für 550 Jahre „Schützen schützen!“.​

 

 

Zum Jubiläum lädt die Bruderschaft dann rund 250 Gäste ins Forum Wasserturm ein: Politik, Kultur, andere Bruderschaften, Ehrenmitglieder, ehemalige Königshäuser – kurz: alles, was Rang, Namen und eine gebügelte Schützenjacke hat. Es gibt Grußworte, Musik, Präsentationen über das letzte Jahrhundert und am Ende einen Auszug der Ehrenformation, bevor der Abend nahtlos in eine „lange, intensive Schützennacht“ übergeht – was im Rheinland ein geschützter Begriff für „Wir sind morgen noch müde“ ist.​

 

 

Silberputzen als Hochleistungssport

 

Ein besonderes Highlight im Jahreslauf ist das Silberputzen, bei dem sich die Bruderschaft trifft, um dem Traditionssilber einmal im Jahr zu zeigen, wie es eigentlich aussehen sollte. Vertreter aller Kompanien, Nachbarschaften, Ehrenmitglieder und ehemalige Königshäuser sitzen zusammen, polieren, fachsimpeln und erzählen Anekdoten aus alten Schützenfesten – also eine Art analoges Vereins-Netflix, nur mit Putzmittel statt Popcorn.​

 

 

Offiziell geht es beim Silberputzen um Glanz, Geschichte und Vorfreude auf das Schützenfest im Juni, inoffiziell aber vor allem um den eigentlichen Schatz: eine Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt und trotzdem noch kommt, wenn eingeladen wird. Wenn das Silber am Ende glänzt, ist das nur das Symbol dafür, dass hier etwas viel Wichtigeres poliert wird: das Gefühl, zusammenzugehören – und zwar so sehr, dass man freiwillig an einem Samstagabend mit einem Tuch in der Hand vor einer Schützenkette steht.​

 

 

Neue Gesichter, alte Werte

 

Bei der Jahreshauptversammlung schlägt die Bruderschaft ein neues Kapitel auf: Nach 17 Jahren übergibt Jürgen Santen sein Amt als 1. Brudermeister an Markus Reiners, der praktischerweise gerade auch noch Stadtschützenkönig ist. Santen war vorher schon 11 Jahre Hauptmann und 17 Jahre Fähnrich der Freischar Latum – also jemand, der so lange Fahnen getragen hat, dass man ihm wahrscheinlich aus Reflex noch salutiert, wenn er Brötchen holt.​

 

 

Auch bei den Schießmeistern gibt es frische Kräfte: Patrick Jach wird neuer 1. Schießmeister, unterstützt von Kai Schakau als 2. Schießmeister – damit bleibt das, was fallen soll, auch fallen, und das, was stehen soll, möglichst stehen. Inhaltlich bleibt alles beim Kern: „Glaube, Sitte und Heimat“ als Werte, die an Kinder und Mitmenschen weitergegeben werden sollen, und der Slogan „Schützen schützen!“, der inzwischen fast wie eine freundliche Drohung gegen jede Form von Gleichgültigkeit wirkt.​

 

 

Tradition mit Herzblut und Fähnrich-Fieber

 

Jürgen Santen, der „echte Latumer Jung“, bekam am 15. März einen Abschied, der selbst Willy Millowitsch neidisch gemacht hätte.

 

 

Santen war 17 Jahre Brudermeister, davor 11 Jahre Hauptmann und 17 Jahre Fähnrich – insgesamt so lange im Dienst, dass seine Schützenjacke wahrscheinlich selbst salutieren kann. Er hat Festhefte gestaltet, Kneipen-Quizze moderiert und neue Schützen angeworben, als wär's sein Hobby, Dorfbewohner vor Langeweile zu retten. Und Markus Reiners, der Nachfolger, fasst es perfekt zusammen: „Du warst mit vollem Herzblut dabei“ – was in Lank-Latum heißt: Ohne dich wär's nur halb so laut gewesen.

 

 

In Zeiten, wo Ehrenamt oft wie Nebenjob klingt, zeigen beide: Das ist Lebenswerk, kein Zeitvertreib. Und der Zapfenstreich an der Teloy Mühle? Besser als jeder Superlative – pure rheinische Seele mit Trommelwirbel.


 

Wenn Politiker über „Plündern“ reden

 

Beim großen Festakt zum 550-jährigen Bestehen wird es dann sogar politisch-humorvoll: Landrat Hans-Jürgen Petrauschke erklärt mit einem Augenzwinkern, dass das einzige „Plündern“ heute aus Sicht der Bürgermeister die Kreisumlage sei – was vermutlich der Moment war, in dem selbst der letzte Kämmerer im Saal wissend genickt hat. Gleichzeitig betonen alle Redner, dass Schützenbruderschaften Orte des sozialen Miteinanders sind, an denen Ehrenamt, Brauchtum und Tradition nicht im Museum stehen, sondern jedes Jahr eine Marschmusik auf die Straße bringen.​

 

 

Untermalt wird das Ganze von Spielmannszug und Blasorchester, historischen Rückblicken und dem Versprechen, in Zukunft keinen Meter populistischem Gedankengut zu überlassen – was in Zeiten von Kommentarspalten im Internet ungefähr so ambitioniert ist wie Silberputzen im Sandsturm. Thomas Morus wird mit dem Satz „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“ zitiert, und genau das passt zu einer Bruderschaft, die seit 550 Jahren nichts lieber macht, als mit Fackeln durch den Ort zu ziehen – aber im besten Sinne.​

 

 

Ausblick mit Trommelwirbel

 

Für das Schützenfest vom 20. bis 23. Juni 2025 ist die Vorfreude bereits deutlich spürbar: Die Bruderschaft spricht von festlichen Umzügen, zahlreichen Besuchern und „geselligen Stunden“, was erfahrungsgemäß die offizielle Übersetzung von „Wir sehen uns morgens beim Bäcker mit Sonnenbrille“ ist. Große Emotionen gehören ohnehin dazu, ob beim Zapfenstreich oder bei verdienten Persönlichkeiten, die nach Jahrzehnten ihren letzten Auftritt in Amt und Würden haben – in Lank-Latum verabschiedet man niemanden ohne Musik.​


 

Nach 550 Jahren zieht die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lank-Latum damit eine ziemlich stabile Bilanz: gegründet, um das Dorf vor marodierenden Horden zu schützen, und heute aktiv gegen das, was wirklich gefährlich ist – Einsamkeit, Gleichgültigkeit und die Vorstellung, dass Heimat nichts mit Menschen, sondern nur mit Postleitzahlen zu tun hat. Oder anders gesagt: Früher schützten die Schützen Lank und Latum vor Plünderern, heute schützen sie Lank-Latum davor, dass es langweilig wird.


 

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