Das Alter der Bruderschaft
Das Alter der St.Sebastianus-Schützenbruderschaft von 1475 Lank-Latum e.V.
Es ist nicht leicht, eine stichhaltige Begründung fur das heute angenommene Grundungsjahr 1475 zu geben, eine urkundliche Belegung ist sogar unmöglich. Bis zum Jahre 1952 galt das Jahr 1535 als Gründungsjahr. Auf dem silbernen Vogel des Königssilbers als ältestem Inventarstück ist diese Zahl eingraviert.. Leider war diese Lesart nicht ganz korrekt, denn Schriftkundige stellten später fest, dass es wohl richtiger das Jahr 1538 bedeutete. So feierte man noch 1935 in voller Überzeugung das 400 jährige Jubelfest, doch war man nach dem Kriege total verunsichert. Mit großer Sicherheit kann gesagt werden, dass die Stiftung des Vogels nicht anlässlich der Gründung der Bruderschaft geschehen ist, sondern im Gegenteil das Zeichen für eine schon lang bestehende aktive, traditionsreiche Gemeinschaft war, der dieses Attribut vielleicht aus einem bestimmten Anlass heraus von einem geistlichen oder weltlichen Würdenträger verliehen wurde.
Die Festsetzung des Jahres 1475 als Gründungsjahr war auch nicht die erste Verschiebung dieses Datums. Noch im Jahre 1901 wurde das 200jährige Stiftungsfest gefeiert. Was damals für 1701 als Jahr der Gründung sprach, ist heute nicht mehr ersichtlich.
Es bleibt also, sich für ein Gründungsjahr zu entscheiden, das einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit in sich birgt. Damit ist zugleich gesagt, dass es zur Zeit unmöglich ist, ein exaktes Datum zu nennen. Leider sind uns bisher keine Urkunden überkommen, die vor dem Datum von 1538 liegen. Ein Vergleich der angenommenen Gründungsdaten anderer rheinischer Schützengesellschaften zeigt, dass die ältesten von ihnrn etwa um das Jahr 1400 entstanden sein könnten, in den Städten schon eher im Verlaufe des 14. Jahrhunderts. Aufgekommen ist das Schützenwesen wohl gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Flandern und anderen Teilen der Niederlande und hat sich von dort nach Osten ausbebreitet.
Es gibt verschiedene Theorien für das Entstehen der Schützengesellschaften. So werden unterschieden die Schutztheorie, die Frühlingskulttheorie, die Bruderschaftstheorie und die Gildetheorie (vgl. Theo Reintges "Ursprung und Wesen der spätmittelalterischen Schützengilden", Bonn 1963). Es scheint, dass für die ländlichen Schützengemeinschaften der Schutz- und Wehrgedanke in Verbindung mit dem religiösen und caritativen Motiven kirchlicher Bruderschaften im Vordergrund stand. Auslösendes Moment war vielleicht der verstärkte Schusswaffengebrauch im Gefolge der Kreuzzüge, zu erst mit der Armbrust, und das Vordringen der Zünfte in die Mitverantwortung der Städte, was auch auf dem flachen Lande seine Auswirkungen hatte mit entsprechender zeitlicher Verschiebung. Später kamen noch andere Motive wie die des Spielerischen und Festlichen un des Schützes der Fronleichnamsprozession hinzu.
Da Lank schon vor dem 15. Jahrhundert ein bedeutender Pfarrort war und es nachgewiesenermaßen in weiniger entwickelten Orten um diese Zeit schon Bruderschaften gab, kann man auch für Lank ein relativ frühes Gründungsdatum annehmen. So werden z.B. angegeben: Benrad/St.Tönis 1435, Issum 1406; Süchteln-Sittard 1407, Rheydt-Giesenkirchen 1421, Büttgen 1415, Düsseldorf-Gerresheim 1427, Krefeld-Fischeln 1451, Schiefbahn 1499. Osterath, eine Filialgemeinde der Pfarrkirche von Willich, kann Ende des 15. Jahrhunderts bereits ein beträchtliches Vermögen der Bruderschaft nachweisen. Für 1575 ist auch für die Lanker Bruderschaft ein entsprechendes Vermögen urkundlich nachgewiesen.
Das Jahr 1475 ist damit so gesehen ein Datum, zu dem die Lanker Bruderschaft mit ziemlicher Sicherheit schon bestanden hat, wobei hinzugefügt werden muss, dass ihre Entstehung möglicherweise noch weiter zurückliegt. Ein genaues Jahr der Gründung wird sich wahrscheinlich nie feststellen lassen, es ist allerdings denkbar, dass irgendwann einmal eine Urkunde gefunden wird, die nachweist, dass die Bruderschaft schon zu einem früheren Zeitpunkt existierte.
In das Jahr 1475 fiel die elfmonatige Belagerung der Stadt Neuss durch Karl den Kühnen. Diese Zeit war sicher eine Zeit der Not, der Plünderungen und Drangsalierungen für die Bewohner der umliegenden Ortschaften. Erwiesen ist, dass Schützen auf der Seite der Belagerten wie auch auf der Seite der Belagerer zum Einsatz kamen. Wenn es zu jener Zeit also bereits Schützenbruderschaften als Selbstschutzorganisationen gab, so hatten sie sicher ihre ursprüngliche Aufgabe in reinster Form durchzuführen. Es scheint auch nicht abwegig zu sagen, dass sich möglicherweise dort, wo solche Gemeinschaften noch nicht existierten oder nicht mehr aktiv waren, solche Bruderschaften neu begründeten. So wird seit langer Zeit auch für die Osterather Bruderschaft das Jahr 1475 als Gründungsjahr angenommen, obwohl dafür ebenso keine entsprechende urkundliche Sicherheit vorhanden ist. Einen Erlass des Kölner Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz aus dem Jahre 1475 des Inhalt, dass alle Honschaften des Kölner Kurfürstentums von Amts wegen Schützenbruderschaften zu bilden seien,scheint es aber offenbar nicht gegeben zu haben, obwohl dieser Erlass in einer ganzen Anzahl von heimatgeschichtlichen Quellen aufgeführt wird.
Betrachtet man die lange Geschichte der Bruderschaft und ihre enge Verflochtenheit mit der Ortsgeschichte, so scheint es müßig, nach einem exakten Gründungsdatum Ausschau zu halten. Möglicherweise hat sich die Gründung mehr oder weniger spontan aus einer bestimmten Notsituation heraus ergeben, und zu einem späteren Zeitpunkt wurde diesem Zusammenschluss in Form einer Bruderschaft eine höhere Weihe vergeben. Eine Gründungsurkunde hat sich bisher bei keiner Schützengesellschaft gefunden. Deshalb sind alle Gründungsdaten relativ. Ein Jubiläum zu begehen, bedeutet deshalb neben dem immer legitimen Anlass des Feiern, sich der historischen Dimension zu erinnern, eine Brücke zu schlagen zwischen den Generationen in einer Zeit, der dieses besonders not tut.
Quelle:
Heimatbuch Lank-Latum zum 500-jährigen Jubiläum der Bruderschaft im Jahre 1975